Selbstverständnis
In unserem Kiez steigen die Mieten und wir betreten kulturelles Brachland, aber genau hier möchten wir uns und anderen Menschen Möglichkeiten bieten selbstorganisiert und kreativ zu leben und zu schaffen. Wir möchten in bunten Häusern mit vielen Menschen wohnen, unsere Freizeit gestalten und arbeiten. Dabei wollen wir weitgehend unabhängig von sozialen Zwängen oder Erwartungen bleiben.
Unser Ziel ist es bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, statt irgendwelche Eigentumsverhältnisse zu reproduzieren. Wir wollen nicht im Luxus schwelgen, unser Reichtum besteht aus Kreativität, Freundschaft, Vielfalt und Selbermachen. Dabei möchten wir Menschen Raum geben, sich offen und auf gleicher Augenhöhe, dabei aber stets kritisch, zu begegnen und auszuprobieren. Es geht uns um den Versuch aus festgefahrenen Verhaltens- und Sichtweisen auszubrechen, auch mal zu scheitern und trotzdem weiterzumachen, um eine Erfahrung reicher. Wir wollen der Vereinzelung entgegentreten, Hierarchien durch die Weitergabe von Wissen und die Förderung des Selbstbewusstseins jeder_s Einzelnen abbauen. Das Projekt soll sich ständig weiterentwickeln, neue Wege ausprobieren, nicht irgendwo stehen bleiben, wo es gerade besonders bequem ist.
Dabei ist es uns auch wichtig in den Austausch mit anderen Personen, Gruppen, Projekten und Initiativen zu treten, sich zu vernetzen und gegenseitig zu fördern, sich zu helfen und für einander da zu sein, sich zu streiten und gemeinsam Wege für ein offenes, solidarisches und ehrliches Miteinander zu erarbeiten.
Einen dafür passenden Raum zu finden ist jedoch ein seltenes Glück. Deshalb werden wir die erste sich bietende Gelegenheit nutzen.
Freunde, Nachbarinnen, Bewohnerinnen
Wir kennen den Charakter des Hauses als ehemalige öffentliche Einrichtung, wir wollen nicht alleine im Haus vor uns hin wohnen und diesen Freiraum nach außen abkapseln, sondern wir wollen in Bewegung bleiben und ihn für möglichst viele Menschen offen halten und freuen uns wenn diese daran partizipieren. Offene Bereiche für Gärtner_innen, Künstler_innen und Nachbar_innen sind uns in diesem Kontext genauso wichtig wie die Möglichkeit des gemeinschaftlichen, selbstverwalteten Wohnens. Und diese Chance bietet sich uns jetzt!
Die Nutzung
Der noch ziemlich struppige Garten, der an unser Haus grenzt, kann für Hobbygärtner_innen aus der Umgebung zugänglich gemacht und so, wie das ganze Haus, zu einem Treffpunkt für Jung und Alt werden. Es kann angepflanzt werden, was wächst und der Garten kann die Möglichkeit bieten, einmal fernab von Supermarkttheken Obst und Gemüse aus eigenem Anbau zu probieren. Dabei kann ein Bewusstsein für Natur und umweltbewusstes Handeln geschaffen und gefördert werden.
Im Haus wird der offene Kunst- und Aktionsraum im Erdgeschoss zu Austausch und Verständigung beitragen. In diesem Raum können sich Künstler_innen nicht nur verwirklichen, sondern auch ihre Kunst ausstellen. Des Weiteren wird es auch mit dreckigen Füßen und der Kinderpuppe in der Hand möglich sein in dem Raum Bildungs-, Informations-, und Kreativveranstaltungen mitzumachen. Zu gelegentlichen Jam- Sessions, Lieder-, Spiel oder Filmabenden kann es ebenfalls kommen.
Die Nutzungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die potentiellen Nutzer_innen. Der Kunst- und Aktionsraum läuft, wie auch der Garten, frei und unabhängig vom Wohnprojekt.
Das Wohnen
In den Obergeschossen wird es bezahlbaren Wohnraum für etwa 15 Menschen geben, die dort gemeinschaftlich kochen, waschen, schlafen, arbeiten, Spaß haben und ihre eigenen Vermieter_innen sind.
Es bietet sich Platz für Gemeinschaftsräume, die unabhängig von den Projekten im Erdgeschoss Verständigung zwischen den Hausbewohner_innen begünstigen können. Dabei kommt uns zugute, dass das Haus einen Keller und drei Etagen (inkl. EG und Dachboden) hat, womit die Einrichtung von Gemeinschafts- und Rückzugsräumen gleichzeitig möglich ist.
Das Rechtsmodell
Wir streben ein Rechtsmodell an, das Selbstverwaltung zuläßt und die Reprivatisierung unabhängig von den aktuellen Bewohner_innen verhindert. Das Haus kommt uns nicht zurück auf den Markt und gehört denen, die es nutzen. In unserem Modell werden wir Solidarische Umverteilung nach innen und zu anderen alternativen und künstlerischen Projekten verwirklichen. Wir wollen nicht vereinzelt bleiben. Wir wollen ein übertragbares Modell und orientieren uns dabei an bewährten aber auch neuen Rechtskonstrukten. Wir werden dabei nicht auf eine Standardvorgabe für alle Bereiche zurückgreifen, sondern für die jeweiligen Bereiche und Aufgaben eigene Formen nutzen und entwickeln. Hierfür werden wir auf unsere Partner_innen des Mietshäuser Syndikat und der Stiftung Freiräume zurückgreifen. Die Vorraussetzungen und Bausteine für die entwickelten Modelle sind gelegt, den einzuschlagenden Weg machen wir vom Verhandlungsprozess abhängig.
Die Finanzierung
Wir wissen was ein Wirtschaftlichkeitsplan ist und das Wort Prognose ist uns ebenfalls nicht fremd. Eine unkonventionelle Aneignung von Gebäuden bedeutet für uns nicht die konventionellen Wege zu ignorieren. Wir sind in der Lage mit Banken zu verhandeln, das nötige Eigenkapital für den Kauf macht uns keine Angst, wir kennen unsere Vereinbarungen mit den Direktkreditgebern und wissen um unsere Unterstützer_innen und Bürg_innen. Wir werden ein sechsstelliges Gebot machen, und dennoch darauf achten, dass wir bei bezahlbarem Wohn- und Gemeinschaftsraum ankommen und bei den angestrebten Netto-Kalt-Mieten ist auch bedacht, dass obendrauf noch rund 2 Euro Betriebskosten kommen. Achja… nicht zu vergessen: Die Buchhaltung kriegen wir auch hin.
Die Kooperationspartner_innen
Wir sind nicht allein. Wir haben Partner_innen und müssen nicht alles selber machen. So stehen uns die Stiftung Freiräume und das Mietshäuser Syndikat zur Seite bei rechtlichen Fragen und Fragen der Finanzierung. Der Förderverein selbstbestimmte Jugend- und Umweltarbeit e.V. sowie die Gesellschaft für politische Bildung und Partizipation werden sicher hoch erfreut sein, dass wir einfach mal anfangen Räume zu schaffen an deren Nutzung sie jetzt schon Interesse geäußert haben, auch wenn sie von ihrem Glück wie schnell das alles gehen kann noch nichts wussten. Wir kennen jedoch unsere Partner_innen und wir wissen, dass unsere Beziehungen belastbar sind und gehen daher wie selbstverständlich davon aus, dass sie hinter unserem Tun voll und ganz stehen werden. Wir besitzen zudem jahrelange Erfahrungen in Netzwerken, die uns mit jedem Schritt, den wir tun, unterstützen, soweit als möglich, so gut wie nötig und besser noch.
Danke!
Wir freuen uns, dass ihr bis hierhin im Text gekommen seid, wir laden euch ein mit uns weiterhin an Ideen rund ums Haus zu pfeilen und zu werkeln, seht uns nach, dass wir keine konkreten Zahlen veröffentlicht haben, aber wir meinen es ernst und diese Karte wird an der richtigen Stelle aufgedeckt.
Eure widerspenstigen Orphs


